Ärztinnen und Ärzte sind nach den Berufsordnungen der Ärztekammern verpflichtet, auf Anfragen der Ärztekammer, welche diese in Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben bei der Berufsaufsicht an diese richtet, in angemessener Frist zu antworten.

So bestimmt etwa § 2 Abs. 6 der Berufsordnung der Ärztekammer Westfalen-Lippe:

  "Unbeschadet der in den nachfolgenden Vorschriften geregelten besonderen Auskunfts- und Anzeigepflichten haben
  Ärztinnen und Ärzte auf Anfragen der Ärztekammer, welche diese zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben bei der
  Berufsaufsicht an sie richtet, in angemessener Frist zu antworten."

Eine Einschränkung dieser Pflicht ergibt sich aus dem rechtsstaatlichen Grundsatz, wonach niemand sich aktiv an seiner straf- oder berufsrechtlichen Verfolgung beteiligen muss. Soweit sich der Arzt oder die Ärztin durch die Beantwortung der Anfrage der Gefahr einer solchen Verfolgung aussetzen würde, muss er keine inhaltliche Auskunft erteilen.

Allerdings dürfen Schreiben der Ärztekammer auch nicht gänzlich unbeantwortet bleiben. Zumindest eine Stellungnahme des Inhaltes, dass sich der Arzt oder die Ärztin nicht äußern werde, kann die Ärztekammer auf jede Anfrage hin erwarten (OVG Münster, Urt. v. 16.05.2000 - 6 T A 2979/98.T -).

Angemessene Frist im Sinne von § 2 Abs. 6 der Berufsordnung der Ärztekammer Westfalen-Lippe dürfte eine Frist von drei bis vier Wochen sein.

Ärzte, welche auf eine Anfrage der Ärztekammer nicht innerhalb einer angemessenen Frist antworten, laufen Gefahr, dass allein deshalb ein berufsgerichtliches Verfahren eingeleitet wird.